Haftung bei Schimmelpilz in Wohnung 

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Anwalt Marc Scheurell, Bonn

Rechtsanwalt Marc Scheurell

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Schimmelpilz in Wohnung. Haftet Mieter oder Eigentümer? Nein, der Sanierer!*

von Rechtsanwalt Marc Scheurell, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht in Bonn (Stand 05/2014)

LG Wuppertal, Urteil vom 15.05.2014,- 17 O 55/13 -

Sachverhalt:

Ein Mieter stellt Schimmelpilz im Bereich der Fenster des Schlafzimmers und der Küche fest. Die WEG beauftragt einen Schimmelpilzsanierer mit der Beseitigung der Ursachen. Dieser lässt mehr als einen Monat lang Trocknungsgeräte laufen. Nachdem weiterer Schimmelbefall festgestellt wird beauftragt die WEG einen Sachverständigen der dem Unternehmer eine mangelhafte Leistung bescheinigt. Dieser stellt ebenfalls fest, dass bestimmungswidriger Austritt von Leitungswasser zu dem Schaden geführt hat. Die daraufhin eingeschaltete Gebäudeversicherung reguliert den Schaden, d.h. die Reparatur der Leitung und die Rechnung des Sachverständigen und den entstandenen Mietausfall i.H.v. 2.300,00 €.

Die Versicherung verklagt den Schimmelpilzsanierer auf Erstattung der Kosten.

Die gerichtliche Entscheidung:

Das Landgericht weißt die Klage ab, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der später sanierte Zustand des Leitungsschadens schon vor Beginn der Arbeiten des U gegeben war. Der von dem Gericht bestellte Gutachter hält eine Verursachung des Sanierers lediglich für 50% wahrscheinlich und somit für nicht überwiegend wahrscheinlich.

In den Kreisen der mit Bewertung von Schimmelpilzvorkommnissen in Wohnungen befassten Fachleute ist bestens bekannt, dass nicht selten kleinere und an sich noch rasch zu beseitigende Schimmelpilzschäden durch unangemessene "Sanierung" vergrößert werden. Vielfach sind die Verursacher solcher fehlerhaften Betätigung die gutwilligen Mieter. Bisweilen sind dies als "Schimmelspezialist" firmierende Unternehmen; da kommt vor, dass teuer angeschaffte Gebläsemaschinen durch ihren viel zu langen und viel zu intensiven Einsatz rasch amortisiert werden (müssen). Lufttrocknungsgeräte können bei ihrem Einsatz in geschlossenen Wohnräumen aber zur Ausbreitung der Schimmelpilzsporen auf bisher nicht befallene Teile führen mit der Folge, dass da dann Schimmelpilz wächst. Der klagende Versicherer, auf den nach Leistung von Schadensersatz die Ersatzansprüche gegen Dritte übergehen, hatte hier den Verdacht, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen und durch den fehlerhaften Einsatz von Trocknern eine beachtliche Schadensvergrößerung produziert worden war. Zum Glück des U vermochte der Gerichtssachverständige nicht hinreichend sicher auszuschließen, dass das später festgestellte Schadensbild schon bei U´s Arbeitsstart vorlag. Diese Entscheidung offenbart die Verantwortung und das Risiko der Sanierer: Vor Arbeitsbeginn ist die umfassende Schadensaufnahme vonnöten. Die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft soeben herausgegebenen "Richtlinien zur Schimmelpilzsanierung nach Leitungswasserschäden" und die vom Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. herausgegebene "Richtlinie zum sachgerechten Umgang mit Schimmelpilzschäden in Gebäuden" liefern auch den Sanierern (ebenfalls nachfolgend involvierten Juristen!) beste Segelanleitungen für ihre Arbeit.

* Die Ausführungen stellen eine erste Information dar, die zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung aktuell war. Die Rechtslage kann sich seitdem geändert haben. Zudem können die Ausführungen eine individuelle Beratung zu einem konkreten Sachverhalt nicht ersetzen. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf.

 
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