Hausratversicherung 

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Anwalt Christian Rech, Koblenz

Rechtsanwalt Christian Rech

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Die Hausratversicherung - ein Überblick*

von Rechtanwalt und Fachanwalt für Versicherungsrecht Christian Rech - Stand 02/2016

1. Was ist Gegenstand der Hausratversicherung?

Weil Versicherungsrecht Vertragsrecht ist, ist der genaue Umfang des Versicherungsschutzes stets eine Frage der vertraglichen Gestaltung. Standardmäßig sind alle zum Haushalt des Versicherungsnehmers gehörenden Gegenstände vor den Risiken Brand, Blitzschlag, Sturm und Hagel, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und Raub geschützt.

Wird durch diese Risiken eine Sache beschädigt, zerstört oder entwendet, leistet der Versicherer eine Entschädigung in Geld. Hierbei ist von besonderer Wichtigkeit, dass - was eigentlich auch immer der Fall ist – nach derVereinbarung der Versicherer den Wert der Neuanschaffung der betroffenen Sache entschädigt, den sogenannten Neuwert.

2. Wie hoch muss die Versicherungssumme sein?

Hoch genug, damit im Falle eines Totalschadens mit der Versicherungssumme der gesamte Hausrat neu angeschafft werden kann, aber auch nicht deutlich höher, weil mit zunehmender Versicherungssumme auch die Prämien steigen. Dringend zu vermeiden ist, dass Unterversicherung eintritt. Beträgt die Versicherungssumme beispielsweise nur 50 % des tatsächlichen Neuwertes des gesamten Hausrats, so muss der Versicherer im Schadenfall auch nur die Hälfte des eingetretenen Schadens bezahlen.

Weil die Bestimmung des tatsächlichen Neuwertes des Hausrates sehr aufwändig und auch schwierig ist, bieten eigentlich alle Versicherungen auch ein sogenanntes Quadratmetermodell an. Je Quadratmeter Wohnraum wird ein pauschaler Betrag - typischer weise 600 bis 750 Euro - zur Berechnung der Versicherungssumme unterstellt. Auf diese Weise wird ein in der Regel auskömmlicher Versicherungsschutz begründet. Außerdem besteht bei diesem Modell regelmäßig ein Unterversicherungsverzicht. D. h., der Versicherer kürzt seine Entschädigungsleistung nicht, wenn sich im Schadenfall zeigt, dass der Hausrat wertvoller ist als nach der pauschalen Berechnung unterstellt wurde. Im Falle eines Totalschadens bleibt es aber natürlich dabei, dass der Versicherer maximal die vereinbarte Versicherungssumme zahlt, selbst wenn der tatsächliche Schaden höher ist.

Zu beachten sind beim Vertragsabschluss die aus den Versicherungsbedingungen ersichtlichen Entschädigungsgrenzen. Hier gibt es je nach Anbieter und Tarif erheblich Unterschiede. Üblicherweise sind die maximalen Entschädigungsbeträge für Bargeld, Schmuck und Wertsachen erheblich geringer als die eigentliche Versicherungssumme. Eine Ausnahme wird häufig nur bei einer Verwahrung in Wertschutzschränken mit besonderen Sicherheitsanforderungen gemacht. Insoweit sollte der eigene Bedarf kritisch überprüft werden und erforderlichenfalls gezielt ein Tarif mit höheren Entschädigungsgrenzen abgeschlossen werden.

3. Häufige Streitpunkte aus der anwaltlichen Praxis und Verhaltenstipps

Viele Streitigkeiten aus der anwaltlichen Praxis können durch vorausschauendes Verhalten des Versicherungsnehmers vermieden werden. Jeder Vertrag setzt Verhaltensregeln vor und nach dem Versicherungsfall, sogenannte Obliegenheiten, voraus. Diese sollten dringend eingehalten werden, da ansonsten im Schadenfall eine Kürzung bis hin zum vollständigen Anspruchsverlust droht. Deswegen sollte man die Obliegenheiten auch kennen, wozu man dann den Versicherungsvertrag, sprich das Kleingedruckte, auch lesen muss,

Wichtige Obliegenheiten sind die unverzügliche Anzeige des Versicherungsfalles und die Nichtveränderung der Schadenstelle (mit Ausnahme von Notmaßnahmen) bis zur Freigabe durch den Versicherer.
Bis zur abschließenden Regulierung sollten schadhafte Bauteile möglichst aufbewahrt werden und Schäden durch Fotos oder sonstige Weise dokumentiert werden. Nur so kann im Streitfall auch der Beweis über das Vorliegen eines Versicherungsfalles gelingen.

Im Bereich der Einbruchdiebstahlversicherung ist die Obliegenheit zur Einreichung der sogenannten Stehlgutliste hervorzuheben. Nach dem Diebstahl muss unverzüglich der Polizei und dem Versicherer ein Verzeichnis der gestohlenen Gegenstände übermittelt werden. Außerdem sind sämtliche verfügbaren Anschaffungsbelege und/oder Fotos des Diebesgutes vorzulegen. Achten Sie möglichst genau darauf, alle Angaben gewissenhaft und vollständig zu tätigen. Kommt es zu Widersprüchen oder Ungereimtheiten, entsteht – auch wegen des häufigen Missbrauchs in der Sachversicherung – häufig ein Betrugsverdacht beim Versicherer.

Hat ein eigenes Verhalten des Versicherungsnehmers den Versicherungsfall mit verursacht oder hat er Obliegenheiten nicht zügig und vollständig erfüllt, stellt sich häufig die Frage nach einem grob fahrlässigen Verhalten des Versicherungsnehmers. Dadurch kann es zu starken Kürzungen der Versicherungsleistung kommen. Mittlerweile bieten aber viele Versicherer gegen einen Aufpreis an, dem Versicherungsnehmer grob fahrlässiges Verhalten nicht vorzuwerfen. Es handelt sich um eine sehr sinnvolle Erweiterung des Versicherungsschutzes, auf die man beim Vertragsabschluss achten sollte. Empfehlenswert – aber nicht von jedem Versicherer angeboten – ist hierbei eine Regelung, wonach der Versicherer auch bei einem Totalschaden dieses Versprechen aufrecht erhält.

Wenn trotz vorausschauenden Verhaltens es im Schadenfall doch zum Streit kommt, oder das Gefühl entsteht, dass die Regulierung nicht sachgerecht erfolgt sollte unbedingt ein Anwalt, sinnvollerweise ein Fachanwalt für Versicherungsrecht, hinzugezogen werden. Dieser kennt die besonderen Mechanismen sowohl im Bereich der vorgerichtlichen Regulierung als auch die prozessualen Besonderheiten des Versicherungsrechts im gerichtlichen Verfahren.

 

* Die Ausführungen stellen eine erste Information dar, die zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung aktuell war. Die Rechtslage kann sich seitdem geändert haben. Zudem können die Ausführungen eine individuelle Beratung zu einem konkreten Sachverhalt nicht ersetzen. Bitte nehmen Sie dazu Kontakt mit uns auf.

 
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