Gilt die Vollkaskoversicherung auch für die Rennstrecke?


Das Landgericht Traunstein befasste sich mit einer eines Rennfahrers befasst. Der Kläger sah eine Klausel in den Bedingungen der Vollkaskoversicherung, nach welcher der Versicherungsschutz bei Fahrten auf Rennstrecken ausgeschlossen ist, als unangemessene Benachteiligung an.

Von Redakteur Christian Thielen

Das Urteil des Landgerichts wurde mit Spannung insbesondere von den Motorsportfans des Nürburgrings erwartet. Hier fahren täglich Amateur-Rennfahrer mit Ihren Privat-Pkws über die Strecke - oftmals ohne dabei eine speziellen Versicherungsschutz für diese Fahrt abzuschließen.

So auch der Kläger in diesem Fall: Als Mitglied des Deutschen Sportfahrerkreises hatte er mit seinem Sportwagen an einer Veranstaltung des Nürburgrings teilgenommen. Auf feuchter Fahrbahn verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug und prallte gegen die Leitplanke. Den Fahrzeugschaden machte er abzüglich der Selbstbeteiligung bei seiner Vollkaskoversicherung geltend.

Der Versicherer lehnte eine Regulierung mit Hinweis auf die Vertragsbedingungen ab. Demnach hieß es im Versicherungsvertrag: "Kein Versicherungsschutz besteht in der Fahrzeugversicherung für Schäden, die unter Beteiligung an Fahrtveranstaltungen entstehen, bei denen es auf Erzielung einer Höchstgeschwindigkeit ankommt. Dies gilt auch für dazugehörige Übungsfahrten.
Diese Bestimmung gilt entsprechend für: Gleichmäßigkeitsfahrten, die eine Fahrerlizenz voraussetzen; Fahrtveranstaltung auf abgesperrten Strecken, bei denen die gesetzlich vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit überschritten wird; jeweils einschließlich der dazugehörigen Übungsfahrten. Außerdem bei Privatfahrten, Fahrerlehrgängen oder Sicherheitstrainings auf Rennstrecken (zum Beispiel Nürburgring, Hockenheimring, Satzburgring ...)."

Der Kläger sah die Klausel als unangemessen benachteiligend an - es werde nicht zwischen Rennen oder sonstigen Fahrten auf der Rennstrecke unterschieden. Er habe die Fahrt mit dem Ziel durchgeführt, seine Fahrleistung im Straßenverkehr zu verbessern, um so seine Fahrsicherheit im Allgemeinen zu erhöhen. Die Vollkaskoversicherung müsse daher den entstandenen Schaden regulieren.

Der erste Zivilsenat des Landgerichts Traunstein folgte der Argumentation des Klägers nicht. Mit Urteil vom 18. Juli 2017 (1 O 4450/16) entschied er, dass die Klausel in den Versicherungsbedingungen weder überraschend im Sinne von § 305 c Absatz 1 BGB, noch unangemessen benachteiligend im Sinne von § 307 Absatz 1 Satz 2 BGB für den Versicherungsnehmer sei.

Quelle: Versicherungsjournal - Wolfgang A. Leidigkeit

Foto: Verlag für Anzeigenblätter - Colourbox

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