Rezension Buch Verteidigung in
Straßenverkehrsordnungswidrigkeitenverfahren
Rezension von
Dr. Ingo E. Fromm:
Verteidigung in Straßenverkehrsordnungswidrigkeitenverfahren
de Gruyter 2011, ISBN:
978-3-11-024846-3, 69,95 EUR, in zfs 2011,
375 f.
„Die Verteidigung in
Straßenverkehrsordnungswidrigkeiten
beschäftigt nahezu jeden Anwalt in seiner
täglichen Praxis. Ordnungswidrigkeiten
stellen Massenphänomene dar, dies nicht
zuletzt, weil der Großteil der Betroffenen
über eine Verkehrsrechtsschutzversicherung
verfügt, was ihn eher dazu veranlasst,
anwaltlichen Rat einzuholen. In der
Konsequenz sollte daher jeder Praktiker über
ein solides Wissen in Bußgeldsachen
verfügen. Das vorliegende Kompendium von
Ingo Fromm knüpft hieran an. Es erscheint
neu im Verlag de Gruyter und ist vorwiegend
auf die Bedürfnisse des Rechtsanwalts
zugeschnitten, was insbesondere an den
vielen „Praxistipps“ deutlich wird, die der
Autor dem Leser an die Hand gibt. Das Werk
wird als „Handbuch" deklariert, will aber
nicht nur ein bloßes Nachschlagewerk sein,
sondern den Praktiker auf dem Weg zu seinem
Verteidigungsziel unterstützen und
begleiten.
Der Aufbau des Werkes orientiert sich
dabei grob gesagt an der Entwicklung des
anwaltlichen Mandats. Insgesamt beleuchtet
der Verfasser in 16 Kapiteln alle
wesentlichen Punkte des
Verkehrsordnungswidrigkeitenrechts, so etwa
Probleme im Zusammenhang mit dem
Bußgeldbescheid (Kap. 3), dem gerichtlichen
Bußgeldverfahren (Kap. 7) und der
Rechtsbeschwerde (Kap. 11).
Inhaltlich weiß der Autor seinen Leser
vollends zu überzeugen. Dies ist nicht
zuletzt dem Umstand geschuldet, dass Fromm
seinem Ziel, sich an Praktiker zu richten
und diesen „wertvolle Verteidigertipps“ zu
geben, gerecht wird. Die Praxisnähe zeichnet
sich vor allem auch dadurch aus, dass der
Autor mehrere verschiedene überzeugende
Musterschriftsätze anbietet. Hervorzuheben
ist hierbei etwa der Musterschriftsatz zu
einem Bestätigungsschreiben des
Arbeitgebers, wenn dessen Arbeitnehmer der
Entzug der Fahrerlaubnis droht (S. 86 f.).
Vielfach wird hier lediglich behauptet, dem
Betroffenen drohe im Falle des Entzugs der
Fahrerlaubnis der Verlust des
Arbeitsplatzes. Fromm setzt jedoch früher an
und bietet dem Praktiker nicht nur mit dem
vorgenannten Musterschriftsatz einen
lesenswerten Leitfaden zur erfolgreichen
Verteidigung zur Abwendung des
Arbeitsplatzverlustes des Mandanten. Auch
viele andere Musterschriftsätze sind sehr
anschaulich. Verwiesen sei insofern auf
denjenigen zur Wiedereinsetzung in den
vorigen Stand (S. 125 f.) oder aber die
ausformulierte Rechtsbeschwerde zur
Veranschaulichung der Verfahrensrüge (S. 146
ff; hier am Beispiel der Verletzung des
rechtlichen Gehörs).
Neben dem vollends soliden Grundwissen,
welches Fromm seinem Leser souverän
vermittelt, spricht für den Kauf des Buches
aber auch die Faktizität, dass der Verfasser
bestimmte Sonderkonstellationen anspricht,
die in der Praxis eher selten angewandt
werden. Beispielhaft sei hier auf das
Selbstladungsverfahren verwiesen (S. 157
ff), welches nicht einmal jedem erfahrenen
Praktiker bekannt sein dürfte. Fromm
demonstriert hier die Möglichkeit, den
Sachverständigen vom Verteidiger zum
Gerichtstermin zu laden. Auch der vom Autor
erörterte „Deal“ hat vielfach noch nicht den
Einzug in Bußgeldsachen gefunden, obwohl er
über die §§ 46, 71 OWiG auch auf das
Ordnungswidrigkeitenverfahren Anwendung
findet.
Insgesamt ein erfreuliches Werk, welches
dem Praktiker durchaus ans Herz gelegt
werden kann. Fromm bietet seinem Leser zu
nahezu allen relevanten
verkehrsordnungswidrigkeitenrechtlichen
Fragen eine Antwort. Sein Werk eignet sich
als Nachschlagewerk wie auch zur kompletten
Lektüre gleichermaßen.“
von Rechtsanwalt Sebastian Gutt,
Helmstedt
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